01 Dez

Auch ohne Besinnung eine heilige Zeit

Die Adventszeit – eine Zeit der Besinnung, der Stille, des Innehaltens. In manchmal belehrendem Ton wird dieses vorweihnachtliche Ideal nun wieder von eifrigen Kirchenvertreterinnen und -vertretern verkündet. Es steht jedoch in scharfem Kontrast zum hektischen Treiben in den Kaufhäusern und Fußgängerzonen genauso wie zu den meist feucht-fröhlichen Weihnachtsfeiern der Belegschaften von Firmen und Behörden. Auch für mich ist der Advent keine Besinnungszeit – im Gegenteil. Auf Januar datierte Deadlines für längere Beiträge und Projektskizzen machen den Advent für mich als Journalisten und Wissenschaftler besonders in diesem Jahr zu einer sehr arbeitsintensiven Zeit. Deshalb bleibt bei mir für Besinnung keine Zeit – muss es aber auch nicht, behaupte ich.

Ein Beitrag im AusZeit-Blog des Erzbistums Köln vom 01.12.2018.

18 Nov

Medienethik: Darf es „christliche“ Journalisten geben?

„Fake News“ und „Lügenpresse“ – in diesen Schlagworten kulminierte jüngst die fundamentale Anfrage an die Objektivität von Journalisten und Medien. Sie sind Anlass zu kritischer Selbstreflexion in dem Berufstand, auch in ethischer Hinsicht. Kann es aber auch eine dezidiert christliche Medienethik geben? Und wie objektiv können und sollen christliche Journalisten dann überhaupt sein? Schlaglichter auf die Rolle der Journalisten und ihrer Ethik.

Ein Beitrag im Online-Magazin f1rstlife vom 18.11.2018.

09 Nov

Schadet die Finanztransaktionssteuer den Altersvorsorgern?

Die Debatten um die Folgen von und den Lehren aus der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise sind jetzt, zehn Jahre nach ihrem Ausbruch, wieder neu entfacht worden. Auch die Finanztransaktionssteuer ist wieder vermehrt im Gespräch. Dabei war es ruhig um sie geworden, nachdem sie aufgrund des Brexit nicht wie geplant eingeführt wurde. Sie bedeutet im Gegensatz zu überteuerten Fonds, Riesterversicherungen und ähnlichen schlechten Finanzprodukten keine nennenswerte Belastung für Anleger und Vorsorger, birgt aber im Vergleich zu den besagten Produktkosten wesentliche Vorteile, nicht zuletzt aus sozialethischer Sicht.

Beitrag im Debattenmagazin The European vom 09.11.2018.

05 Nov

Katholisch in Vietnam

Phát Diệm ist eine Stadt im Norden Vietnams, die als ein Zentrum des vietnamesischen Katholizismus gilt. Eine Jesusstatue auf einer kleinen Insel inmitten eines künstlichen Sees begrüßte uns mit ausgebreiteten Armen auf dem Weg zur Kathedrale des Bistums. Doch das Gebäude mutet mehr wie ein buddhistisch-daoistischer Tempel im traditionell chinesischen Baustil an. Nur die Kreuze und Verzierungen in der Form von Monstranzen auf den typischen geschwungenen Dächern lassen auf ein christliches Gotteshaus schließen. Knapp 15 Prozent der Bevölkerung Phát Diệms sind katholisch. In ganz Vietnam sind es etwa sieben Prozent.

Ein Beitrag im AusZeit-Blog des Erzbistums Köln vom 04.11.2018.

25 Okt

Sozial und zukunftsorientiert: Arbeitgeberfinanzierte bAV

Immer mehr Arbeitgeber suchen dringend nach gut ausgebildeten Fachkräften. Vermehrt werden sie es daher sein, die sich bei ihren potenziellen Angestellten „bewerben“ müssen. Eine rein arbeitgeberfinanzierte bAV könnte zum entscheidenden Faktor werden.

Arbeitgeber müssen heute mehr bieten als früher. Ein Ansatz kann dabei eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung sein. Warum? Das gesetzliche Rentenniveau ist merklich abgesunken. Es liegt derzeit bei 48%, wo es nach den Plänen von Bundessozialminister Hubertus Heil auch erst einmal bleiben soll. Viel kommt dabei jedoch nicht rum: Laut einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird etwa die Hälfte der heute 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmer später nicht genug Rente erhalten, um ihren aktuellen Lebensstandard zu halten. 650 € im Monat würden ihnen im Schnitt fehlen. In Zeiten einer wachsenden Angst vor zukünftigerAltersarmut kann eine zusätzliche betriebliche Altersversorgung daher ein attraktiver Benefit des Arbeitgebers darstellen. Die Politik hat das grundsätzlich erkannt und im vergangenen Jahr mit dem „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ versucht, diese zweite der drei Säulen der Altersvorsorge zu stärken. Mit Erfolg?

Halbherzig und verschlimmbessernd

Die betriebliche Altersversorgung hatte zuletzt einen massiven Vertrauensverlust hinter sich, nachdem ab 2004 Betriebsrentner auch rückwirkend auf ihre Betriebsrenten die vollen Kranken- und Pflegekassenbeiträge, also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil zu zahlen hatten. Das neue „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ änderte dies nur für Verträge im Rahmen der Riesterförderung. Da wo Arbeitnehmer ihre Betriebsrente durch Entgeltumwandlung aus dem Bruttolohn selbst finanzieren, mindern sie durch die oft gepriesene Ersparnis bei den Sozialversicherungsbeiträgen letztlich ihren gesetzlichen Rentenanspruch. Ob das durch die Betriebsrente kompensiert wer den kann, ist nicht nur angesichts besagter Kranken- und Pflegekassenbeiträge mehr als fraglich. Durch die Einführung einer „Zielrente“ brachte das Gesetz außerdem eine weitere Verschlechterung: Nach dem Motto „pay and forget“ muss der Arbeitgeber seinen Beschäftigten inzwischen nicht mehr eine bestimmte Rentenhöhe zusagen, sondern bloß noch versichern, dass die Beiträge ordnungsgemäß verwaltet werden. Das Kapitalmarktrisiko trägt nun allein der Arbeitnehmer. Immerhin muss der Arbeitgeber seine eingesparten Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung nun zu 15% des umgewandelten Entgelts zusätzlich als Zuschuss an die Versorgungseinrichtung zahlen.

Nur eine Variante der bAV lohnt sich wirklich

Wer die eigenen Mitarbeiter in Zeiten eines sinkenden Rentenniveaus als gut ausgebildete Fachkräfte halten und zudem als attraktiver Arbeitgeber auftreten will, der sollte eine rein arbeitgeberseitig finanzierte bAV in Betracht ziehen. Angesichts besagter Rahmenbedingungen ist sie für den Arbeitnehmer die einzig wirklich rentierliche Form der betrieblichen Zusatzvorsorge. Die  Wahl des Durchführungswegs kann dabei selbstverständlich weiterhin vom Arbeitgeber bestimmt werden. Die Entgeltumwandlung indes ist mehr ein betrieblich organisiertes Vorsorgesparen der Arbeitnehmer, aber keine betriebliche Altersversorgung, die diesen Namen wirklich verdient. Eine vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente hingegen bedeutet für den Arbeitnehmer mehr Sicherheit mit Blick auf den späteren Ruhestand. Er hat eine zusätzliche Motivation, dem Arbeitgeber treu zu bleiben, denn erst nach drei Jahren ist ein Betriebsrentenanspruch unverfallbar. Die betriebliche Altersversorgung wird so für den Arbeitgeber zu einem glaubwürdigen Mittel, sein soziales, mitarbeiterfreundliches Image zu unterstreichen. Zudem sind zufriedene, motivierte und treue Mitarbeiter ein unabdingbares Fundament für ein prosperierendes Unternehmen. Eine arbeitgeberfinanzierte bAV ist demnach eine Investition in die Zukunft des Unternehmens wie der Mitarbeiter gleichermaßen.

Ein Beitrag im Wirtschaftsmagazin gmbhchef 4/2018.

05 Okt

Bankenkrise und Ethik: Brancheninsider beleuchten die Finanzmärkte

Zehn Jahre ist es her, dass die Bankenbranche die Wirtschafts- und Finanzkrise verursachte. Die Verantwortlichen profitierten lange von den risikoreichen, aber hochrentierlichen Finanzgeschäften – für die horrenden Verluste und die Folgen der Krise haften mussten sie kaum, das übernahm die öffentliche Hand. Der Ökonom und Theologe Manfred Stüttgen als Herausgeber des voluminösen Bandes „Ethik von Banken und Finanzen“ setzte lieber von Anfang an auf eine in diesem Fall positive Public-Private-Partnership bei dessen Finanzierung: Diese wurde von einer kirchlichen und einer universitären Einrichtung sowie von einer privaten Vermögensverwaltung getragen. Die Mehrzahl der etwa 30 Autoren hat beruflich in verschiedenartiger Weise mit dem Finanzsystem zu tun. Es ist aufschlussreich, inwiefern hier aus der Binnenperspektive Gedanken über ethische Fragen rund um Banken und Finanzen gebündelt werden.

Eine Rezension in der Tagespost vom 04.10.2018.

14 Sep

Familienorientierung und Straßenmission

Es begann in der Jugend 2000 – der Gemeinschaft, die nach dem Weltjugendtag von 1989 gegründet und auch von den nachfolgenden dieser internationalen Jugend­ treffen geprägt ist. Aus dem Kölner Zweig der Gemeinschaft ist die Theresianische Familienbewegung „Omnia Christo“ hervorgegangen. Sie trägt seit 2010 diesen Namen. „Der Jugend 2000 fühlen wir uns auch weiterhin verbunden. Aber aus den damals Jugendlichen sind inzwischen Erwachsene geworden, die eigene Familien gegründet haben. So entstanden die ersten Überlegungen zu familienorientierten Angeboten“, beschreibt Anne Holland, Mitglied der Koordinierungsversammlung der Bewegung, den Beginn der Ausgründung.

Ein Beitrag in der Kirchenzeitung Köln, Ausgabe vom 14.09.2018. PDF-Download: hier.

Auch erschienen im AusZeit-Blog des Erzbistums Köln am 20.09.2018.

04 Sep

Der Petersdom in klein

Eine massive Kirchenfassade mit stämmigen Säulen. Es ist der Stil der Renaissance-Zeit gemischt mit barocken Elementen. Wer den Frontbereich dieser Basilika betrachtet, wähnt sich vor dem Petersdom in Rom. Doch ringsherum stehen moderne, gläserne Hochhäuser, dazwischen liegen Grünanlagen und verkehrsreiche Straßen. Das Kirchengebäude wirkt hier irgendwie „deplatziert“. Wir sind doch nicht in Rom? Nein, in Montréal, der zweitgrößten Metropole Kanadas.

Ein Beitrag im AusZeit-Blog des Erzbistums Köln vom 04.09.2018.

11 Aug

Kirchliche Soziallehre: Das bestgehütete Geheimnis der Kirche

Prekäre Jobs, sinkende Renten und wachsende Ungleichheit sind drängende Probleme in unserer Gesellschaft. Auch die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Frühjahr angestoßene Debatte über „Hartz 4“ provozierte die Frage, wie sozial und wie gerecht es in Deutschland eigentlich zugeht. Zu dieser Frage nach mehr sozialer Gerechtigkeit hat die katholische Soziallehre einiges zu sagen.

Beitrag in „Kontakte“ – Pfarrbrief des Seelsorgebereichs Königswinter-Tal 2/2018. PDF-Download hier.