Rentensystem der Realität anpassen
Auch im neuen Jahr(-zehnt) wird die Frage nach den nötigen Reformen der Alterssicherung drängend bleiben. Im März wird es auch endlich den Bericht der Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ geben, der der Politik aufzeigen soll, wie die Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung und der beiden weiteren Altersvorsorgesäulen ab dem Jahr 2025 aussehen soll. Dabei sollte aus sozialethischer Sicht die Lebenslauforientierung nicht fehlen.
Beitrag im Rahmen der sozialethischen Kolumne der KSZ in der Tagespost vom 30.01.2020.


In den Vereinigten Staaten wird die Soziallehre der katholischen Kirche gerne als „the church’s best kept secret“, als das „best gehütetste Geheimnis der Kirche“ bezeichnet. Und tatsächlich hatte die Soziallehre in den USA nie die gesellschaftliche und politische Bedeutung wie in Deutschland. Dank ihres anti-ideologischen Charakters und ihrer Orientierung an aktuellen Zeitfragen kann die Soziallehre auch heute und auch Nichtchristen Impulse und Provokationen für eine gerechte Gestaltung der Gesellschaft anbieten.
Die aktuelle gesellschaftliche Relevanz und der sozialethische Orientierungsbedarf auf dem Feld der Vermögensbildung zur privaten Vorsorge spiegeln sich in den anhaltenden Debatten um zukünftige Altersarmut. Die von Friedrich Merz Ende letzten Jahres, wenngleich aus zu Recht vielkritisiertem durchsichtigem Eigeninteresse, angestoßene Diskussion um den Stellenwert der Aktie in der Altersvorsorge ist dagegen leider viel zu schnell wieder abgeebbt. Gemäß der griffigen Formel Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand von Oswald von Nell-Breuning SJ, dem Nestor der katholischen Soziallehre, muss die Vermögenspolitik und die Etablierung einer Aktienkultur wieder stärker in den Fokus politischer Debatten, so die zentrale These dieses Heftes.